Was meinen wir eigentlich mit „queerfeministische Science-Fiction und Fantasy“? 

Es gibt einiges, was wir nicht meinen: Wir meinen damit keine „gay romance“-Stories. Das soll nicht heißen, dass Gay Romance keinen Platz bei uns hat, aber das ist nicht das, was wir uns unter queerfeministisch vorstellen – wir wollen Geschichten, die Patriarchat, Heteronormativität und White Supremacy entlarven und zerschlagen oder gleich ganz ohne auskommen! Und damit ihr wisst, was wir meinen, haben wir hier eine kleine Inspirationsliste für euch. Ihr müsst nicht jede dieser Fragen für euch beantworten – nicht jede dieser Fragen muss eine Rolle in eurer Geschichte spielen. Es gibt keine richtigen und falschen Antworten; sie sollen einfach nur dazu dienen, eure Fantasie anzuwerfen.

  • Wer hat in der Geschichte Privilegien? 
  • Wie spiegelt die Welt der Geschichte unsere Welt und die Verteilung von Privilegien in unserer Welt? Wie spiegelt sie die Historie und was können wir überhaupt objektiv über Geschichte wissen?
  • Wer wird marginalisiert und warum? 
  • Wer hat Macht und warum? 
  • Gibt es in der Geschichte kolonialistische Strukturen? Werden Menschengruppen ausgebeutet, als „weniger wert“ angesehen? Gibt es Unterdrückung, Besatzung usw.?
  • Stellst du queere Figuren auch anders dar als durch Liebesbeziehungen? Stellst du queeren struggle dar oder ist Queerness in deiner Geschichte frei von Kämpfen um Daseinsberechtigung? Gibt es queere Communities? Unterscheiden sie sich vom heteronormativen Bild? Wie bildeten sie sich? Was zeichnet sie aus? 
  • Welche Rolle spielt Sexualität? Ist sie immer Teil von Beziehungen? Leben Personen größtenteils monogam oder gibt es andere Beziehungsformen? Welche sexuelle Ausrichtung ist am häufigsten? Gilt eine davon als „normal“?
  • Haben Frauen auch andere Rollen als die der Nebenfigur / des Love Interests? Gibt es auch Menschen mit nicht-binärer Gender-Identität? Wird diese Identität akzeptiert? Gibt es Nicht-Männer auch in vielfältigen Nebenrollen (Mentorcharakter, Freundschaften etc.)?
  • Gibt es Beziehungen / Familien / Gesellschaftsformen, die von den momentanen gesellschaftlichen Standards abweichen? Wie wachsen Kinder auf? Wer übernimmt Care-Arbeit? Gibt es eine Kernfamilie? Wie wichtig ist biologische Verwandtschaft? Wo und wie lernen Kinder? 
  • Behinderung, Krankheit und Neurodivergenz: Kommen diese Themen vor? Wer hat Zugriff auf Medikamente / Heilung / Linderung? Wie zugänglich ist die Gesellschaft (Bildung, Gebäude, Verkehr, soziales Umfeld, Beruf)? Wie solidarisch ist die Gesellschaft? Gibt es Segregation zwischen Menschen mit und ohne Behinderung? Wie hoch ist der Zwang zu Produktivität / Arbeit? Wie wird damit umgegangen, wenn jemand nicht produktiv sein kann oder will? 
  • Gibt es Diskriminierung aufgrund von Ethnie / Kultur / Religion oder vielleicht ganz anderer Dinge, die in unserer realen Gesellschaft nicht diskriminiert werden? Wie steht es um Stereotype? Bedienst du sie, bewusst oder unbewusst? Gibt es Black Struggle? Müssen People of Color mit Diskriminierung rechnen? 
  • Gibt es intersektionale Diskriminierung? Wie geht die Gesellschaft deiner Geschichte mit Vielfalt um? Was wird als positiv empfunden, was als negativ? Was als „normale“ und was als Abweichung?
  • Und zu guter Letzt: Was will deine Geschichte beschreiben? Ist sie empowernd? Utopisch? Historisierend? Dystopisch? Beschreibt sie Struggles und -ismen? Ziehst du unser heutiges Verständnis von „normal“ als Grundlinie oder machst du etwas anderes zur „Normalität“?